Delta im Quadrat Nr. 96

36 In der Rush Hour des Alltags, in der oft alles gleichzeitig passiert und bedacht werden will, kommt der Blick für den einzigartigen Moment schnell zu kurz. Achtsamkeit bedeutet, im Augenblick zu leben, statt sich mit Zukunft oder Vergangenheit zu beschäftigen. Mit Übungen, Traumreisen und Meditation lässt sich diese Haltung trainieren – für mehr Ruhe, Freude und Zufriedenheit im Leben. Für viele ist das zunächst weit weg von der eigenen Realität: Die Gedanken hängen in Zukunft oder Vergangenheit fest, kreisen um Sorgen oder darum, was als Nächstes kommt, und neigen dazu, ständig zu bewerten und zu vergleichen. Zu oft beschäftigt sich der Mensch mit dem, was negativ wirkt, statt sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren. Achtsamkeit: Entspannt im Hier und Jetzt Den Moment beachten, ohne zu bewerten Im Kern des Achtsamkeitsgedankens steht ein einfacher Satz: „Lebe im Hier und Jetzt und nicht in der Sorgenwelt von gestern oder morgen.“ Entspannung fängt demnach im Kopf an. Ein achtsamer Mensch nimmt den Augenblick wahr, ohne ihn zu bewerten. Mittlerweile ist auch die Forschung davon überzeugt, dass sich durch Achtsamkeitstraining das persönliche Wohlbefinden deutlich steigern lässt. Ulrich Ott von der Universität Gießen beschreibt die Wirkung mit einem Bild: „Ich gehe beim Meditieren auf einen Berg und schaue hinunter ins Tal. Das heißt, ich bin nun in einer Position, die ein bisschen dem Alltagsgeschäft enthoben ist und kann auf das Ganze herunterschauen.“ Der veränderte Blickwinkel lässt so neue Lösungswege für innere Konflikte entstehen. Vorreiter des Achtsamkeitstrainings in der westlichen Welt war der Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn von der University of Massachusetts, der Ende der 1970er-Jahre das medizinische Achtsamkeitstraining MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) entwickelte – zu Deutsch: Stressbewältigung durch Achtsamkeit.

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