5 DiQ: Sie haben in Zürich und Bern viele Jahre Hochschulen und kulturelle Projekte mitgestaltet. Welche Erfahrungen möchten Sie nun gezielt nach Karlsruhe mitbringen? AV: Ich komme nicht hierher, um der HfG oder Karlsruhe irgendetwas überzustülpen. Ich komme her mit einer Offenheit und hoffentlich auch mit einem richtigen seismografischen Gespür dafür, was ich unterstützen kann. Was mich immer interessiert hat, ist, an den Schnittstellen und über die Schnittstellen hinaus zu agieren. Es ist elementar wichtig, dass die Hochschule als Teil der Gesellschaft funktioniert und diese Schnittstellen ernsthaft und spannend bespielt. Nicht nur, um sich zu legitimieren, sondern auch, um insbesondere den Studierenden die Möglichkeit zu geben, sich mit der Welt, auf die wir sie vorbereiten wollen, in Reibung zu begeben – auch wenn wir gar nicht mehr wissen, wie diese Welt zukünftig aussieht.ch möchte dort reagieren, wo neue Dynamiken entstehen, wo Studierende Offspaces übernehmen, wo Themen aufpoppen, die vielleicht heute noch keinen Resonanzraum in der Hochschule haben. DiQ: Der Rundgang gilt seit Jahren als Einblick in die experimentelle und interdisziplinäre Arbeit der HfG – von Medienkunst über Design bis hin zu Theorie und Szenografie. Auf was freuen Sie sich dieses Jahr am meisten? AV: Persönlich freue ich mich darauf, dass ich das erste Mal den Rundgang in der Position des Rektors besuchen werde und damit eigentlich zum ersten Mal einen intensiven Einblick in die Vielfalt und Gleichzeitigkeit dessen bekommen werde, was hier entsteht. Also noch einmal ein anderes Gespür dafür zu bekommen, wofür genau ich hier arbeite, mit wem ich hier arbeite: Auf diese Sichtbarkeiten, die sich da erzeugen, freue ich mich enorm. Was wir hier verhandeln, ist nichts weniger als unsere Zukünfte. Ich glaube, das macht insbesondere einen Rundgang einer Institution wie der HfG so interessant: Er zeigt immer, dass wir hier in Prozessen sind, in Aushandlungen, dass wir hier noch nicht fertig sind. DiQ: Sie sprechen davon, das transdisziplinäre Profil der HfG weiter zu schärfen und offen für neue Impulse zu bleiben. Wie möchten Sie die Hochschule künftig positionieren – sowohl innerhalb Karlsruhes als auch international? AV: Zunächst einmal sind Internationalität und Karlsruhe kein Widerspruch, weil Internationalität immer zu Hause beginnt. Das heißt, wir müssen eine offene Hochschule sein, eine Hochschule des Austauschs, des Dialogs, des Sich-Treffens. Das meint diese Betonung des Transdisziplinären, die ich vom Interdisziplinären unterscheide. Interdisziplinär heißt: Alle kommen aus ihren Richtungen und tragen dazu bei, ein Problem zu lösen. IIn meinem Verständnis von Transdisziplinarität kommen wir vom Problem her, von der Auseinandersetzung mit dem Problem, nicht von einer Lösung von verschiedenen Seiten. Ich glaube, dass wir exemplarisch etwas abbilden, worum wir in dieser Welt nicht mehr herumkommen: es gemeinsam zu machen, möglichst vielstimmig, möglichst divers.
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