Delta im Quadrat, Tim Fischer: Herr Dr. Vogel, Sie sind seit April neuer Rektor der HfG Karlsruhe. Mit welchem persönlichen Anspruch und welchen ersten Zielen sind Sie in dieses Amt gestartet? Dr. Andreas Vogel: Ich bin die letzten 25 Jahre an Hochschulen der Künste, im weitesten Sinne der Gestaltung, unterwegs gewesen. Ich halte diese Orte für enorm wichtig, auch innerhalb der politischen Gesellschaft, innerhalb der Demokratie, und nicht nur innerhalb eines Bildungs-, Kunst- oder Gestaltungskontexts. Ich halte wenig für wertvoller, als genau an so einem Ort dazu beizutragen, dass diese Potenziale des Ortes und die Potenziale der Personen, die dort arbeiten, möglichst optimal genutzt werden. Mein Interesse ist gleichzeitig mein Ziel: Wenn die Hochschule dahingehend floriert, dass sie die Hochschule ihrer Angehörigen ist – und dazu zähle ich alle, vom technischen Dienst über die Studierenden bis in die Verwaltung, bis hin zu den Professorinnen und Professoren, dem Lehrkörper –, wenn das für alle der Ort ist, an dem sie die bestmögliche Version ihres Beitrags und ihrer selbst ausarbeiten können, dann ist das super. 4 LEBEN IM DELTA HfG Karlsruhe: „Was wir hier verhandeln, ist nichts weniger als unsere Zukünfte“ Dr. Andreas Vogel ist seit April neuer Rektor der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, kurz: HfG. Im Interview spricht er über die Hochschule als Ort der Aushandlung, über die Bedeutung transdisziplinären Arbeitens und darüber, warum der Rundgang (16.-19.07.) für ihn einen besonderen Einblick in den lebenden Organismus HfG gibt. DiQ: Die HfG gilt als eine der spannendsten und zugleich ungewöhnlichsten Kunst- und Designhochschulen Europas. Was macht die Hochschule aus Ihrer Sicht heute besonders relevant? AV: Ich glaube, die Relevanz der HfG muss sich ständig neu behaupten. Was die HfG als Institution relevant macht, ist, dass sie die Idee, eine Reforminstitution zu sein, nie aufgegeben hat und ständig neu verhandelt, wie man in so einer Umgebung tätig sein könnte. Dazu zählt, dass sie bis heute eine Hochschule ist, die die unterschiedlichen disziplinären Ausrichtungen innerhalb der Künste, der Gestaltung und der Theorie ernsthaft aufeinander bezieht und eine Inter- oder Transdisziplinarität wirklich lebt. Damit beugt sie einem Leben in disziplinären Nischen vor. Zum anderen ist sie ein Ort, der Studium nach wie vor auf eine Art und Weise ernst nimmt, wie es vor Bologna und der großen letzten Studienreform eigentlich normal war: Studierende definieren selbst, wie, weshalb und wofür sie studieren. Nicht die Hochschule schreibt Studierenden vor, was sie in welcher Zeit zu erledigen haben, um möglichst effizient und kompatibel in bestehende Systeme überführt zu werden. Darum finde ich es richtig und wichtig, dass die HfG immer noch ein Ort altrechtlicher Abschlüsse ist und sich damit einer Ökonomisierung von Bildung widersetzt.
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