Gesund leben: Die wichtigsten Stellschrauben Prof. Dr. Jutta Mata ist Gesundheitspsychologin an der Universität Mannheim. Sie forscht zu Gesundheitsverhalten, Wohlbefinden und Ernährung im sozialen Kontext. Im Gespräch mit Delta im Quadrat geht es um die wichtigsten Faktoren für ein gesundes Leben und darum, welche Rolle Alltag und Umfeld dabei spielen. Delta im Quadrat, Tim Fischer: Was sind die wichtigsten Punkte für ein gesundes Leben? Jutta Mata: Über 80 Prozent der Menschen in Europa sterben an den Folgen von Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs oder schlechter psychischer Gesundheit. Sterben müssen wir alle – entscheidend ist aber, wie hoch zuvor unsere Lebensqualität ist. Schätzungen zufolge hängt Gesundheit zu gut 20 Prozent von genetischen Faktoren ab. Daran kann man nicht viel ändern. Wichtiger sind daher diejenigen Einflüsse, die wir mitgestalten können. Unser Verhalten trägt zu gut 35 Prozent zur Gesundheit bei. Die WHO empfiehlt, nicht zu rauchen, wenig bis keinen Alkohol zu trinken, sich ausgewogen zu ernähren, regelmäßig körperlich aktiv zu sein und auf ein gesundes Körpergewicht zu achten. Für die Psyche sind Ansätze wie Achtsamkeit hilfreich. Soziale Faktoren machen knapp 25 Prozent aus – dazu gehören zum Beispiel stabile Beziehungen oder gute Arbeitsbedingungen. Rund 20 Prozent entfallen auf medizinische Versorgung und Umwelt – etwa Zugang zu Gesundheitsversorgung und Sportangeboten oder das Wissen über Gesundheit. Es ist aus meiner Sicht auch eine Verantwortung unserer Gemeinschaft, Bedingungen zu schaffen, die ein gesundes Leben einfacher machen. DiQ: Apfel oder Möhre sind ein gesunder Snack. Doch was kann ich machen, wenn ich Heißhunger auf Chips oder Schokolade bekomme? JM: Wer Chips oder Schokolade gern mag, sollte sie sich nicht komplett verbieten, denn das führt oft dazu, dass „Ausrutscher“ als Scheitern wahrgenommen werden und am Ende statt zwei Chips gleich die ganze Packung gegessen wird. Zwei Chips sind im Kontext einer ausgewogenen Ernährung kein Problem, eine ganze Packung schon eher – vor allem, wenn es häufiger passiert. Es kann helfen, sich realistische Ziele zu setzen, zum Beispiel jeden Tag höchstens so viele Chips oder Schokolade zu essen, wie in meine Hand passen. DiQ: Unabhängig davon, was wir essen: Welche Rolle spielt es, wie wir essen? JM: Wie wir essen, beeinflusst klar, was und wie viel wir essen. Mein Team und ich haben viel zu gemeinsamen Familienmahlzeiten geforscht. Kinder essen mehr Obst und Gemüse, wenn die Mahlzeiten länger dauern, Fernseher und Tablet ausgeschaltet bleiben, Eltern als Vorbilder fungieren und eine positive Atmosphäre herrscht. Auch Nichtalltägliches hat einen wichtigen Einfluss: Je mehr Personen mitessen, desto mehr Kalorien werden verzehrt, etwa bei Restaurantbesuchen oder Festen. Wie wir Essenssituationen gestalten, kann eine gesunde Ernährung also erleichtern oder erschweren – das gilt auch für Schulessen. (Foto © Anna Logue) GESUNDES WISSEN 46
RkJQdWJsaXNoZXIy OTA4MjA=