Delta im Quadrat Nr. 72

Bühne/Theater/Klassik/Comedy 56 Heidelberger Frühling mit „Brahms.LAB“ Johannes Brahms ist der Fixpunkt in diesem Frühling, denn das Heidelberger Musikfestival dreht sich um ihn, will ihn von allen Seiten beleuchten und in verschiedensten Perspektiven klanglich darstellen. Auch die nächste Generation hat ihren ganz eigenen Blick auf den großen Komponisten: Das Festivalcampus-Ensemble, ein gutes Dutzend junger Musikerinnen und Musiker aus ganz Europa, zeigt während der Festivalzeit von Mitte März bis Mitte April in sechs selbst konzipierten Veranstaltungen eine frische Herangehensweise an Brahms und seine Musik. Mit vielfältigen Programmideen, Geschichten, verschiedenen Musikstilen, Kunstformen und Inszenierungen an gewöhnlichen und ungewöhnlichen Orten macht das „Brahms.LAB“ neugierig auf das etwas andere Brahms-Erlebnis. Dabei wird das Genre-Spektrum auch in Richtung Pop, Elektronik, Jazz und Weltmusik erweitert. Die noch ausstehenden Konzerte III-VI beschäftigen sich mit Mensch und Natur (Mi, 03.04.), laden zu einer jazzigen Jam-Session ein (Sa, 06.04.), erkunden gemeinsam mit dem Heidelberger Frauenchor 4x4 die „Freiheit, die wir meinen“ (So, 07.04., 19 Uhr, Neue Uni) und begeben sich auf eine klangliche Reise nach Osteuropa, wo ungarische Tänze und rumänische Volksmelodien, Rhythmen, Klänge und Traditionen nicht nur Brahms’ Kompositionen beeinflussten. Neben dem „Brahms.LAB“-Abenden gestaltet das Festivalcampus-Ensemble außerdem im April noch vier weitere „re:start“-Konzerte in den Heidelberger Stadtteilen – bei freiem Eintritt! (3D-Rendering Brahms © Hadi Karimi) Beginn je 20.30 Uhr, Dezernat 16, Heidelberg, www.heidelberger-fruehling.de Der gute alte Menschenfeind Die 1660er: In London tobt die Pest und das Feuer, in Paris regiert der Sonnenkönig Louis XIV. und hierzulande werden Frauen als Hexen verfolgt. Rembrandt malt sein Mädchen mit dem Perlenohrring, Stradivari baut seine ersten Geigen – und ein gewisser Molière haut in Paris ein Theaterstück nach dem anderen raus. 1666 feierte „Le Misanthrope ou l’Atrabilaire amoureux“ Premiere, zu Deutsch: „Der Menschenfeind“. Dieser hat zum einen hohe Ansprüche an Ehrlichkeit und die Heuchelei der gehobenen Schichten widerstrebt ihm sehr; zum anderen ist er verliebt. In eine Frau, die sich souverän in einer Welt zu bewegen weiß, in der der Schein mehr gilt als das Sein. Das führt unweigerlich zu Konflikten, und auch wenn heute die Regularien des höfischen Zeremoniells natürlich nicht mehr so streng gelten, so bleibt die Grundfrage doch auch nach weit über 500 Jahren aktuell: Wieviel Verbiegen im Dienste der Freundlichkeit darf es sein, wieviel Wahrheit ist angemessen? Und wie erträgt man seine Umwelt und die Mitmenschen? Am Deutschen Theater Berlin hat Anne Lenk den Klassiker inszeniert; mit feinen Gewändern und viel Spaß am Spiel kommt „Der Menschenfeind“ nun nach Ludwigshafen. (Foto © Arno Declair) Fr, 05.04., Sa, 06.04., 19.30 Uhr, Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen

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