AUSTELLUNG/KUNST Ludwigshafen im Jahr 1956 „Eine Stadt am Puls der Zeit“, so lautet der Untertitel der Fotografie-Ausstellung zu jenem Jahr, in dem die Friedenskirche in der Leuschnerstraße nach großen Weltkriegsschäden endlich erneut wiedereröffnet wurde. 70 Jahre ist das her, manche alteingesessenen Ludwigshafener erinnern sich vielleicht noch selbst daran. Andere bekommen eine bildliche Vorstellung, wenn sie durch die Ausstellung schlendern: Auf großformatigen Bildschirmen zeigen Fotografien aus dem Stadtarchiv verschiedenste Motive aus dem Jahr 1956. Ein Zeitstrahl bettet besondere Ereignisse dieses Jahres in ihren lokalen, regionalen, nationalen oder internationalen Zusammenhang ein, und eine Leseecke ergänzt die Schau mit einer passenden Buchauswahl. Hervorzuheben ist auch das üppige Begleitprogramm: MittwochsVorträge beleuchten den Alltag der 1950er, die Politik sowie die Themen Mode und Kunst, Letzteres mit WHM-Direktor René Zechlin. Sonntags richtet sich der Fokus auf Literatur, Architektur, Musik und Film, und zum Tag des Offenen Denkmals am 13.09. finden auch Kirchenführungen statt. Eröffnung: Mi, 02.09., 19 Uhr, bis 30.09., Friedenskirche, Ludwigshafen, Eintritt frei „Solarceptors“ Wie nehmen Blütenpflanzen Licht wahr? Rasa Smite und Raitis Smits haben dies erforscht – balancierend an den Schnittstellen zwischen Kunst, Wissenschaft und immersiven Medien. Im Zentrum ihrer Praxis stehen ökologische Systeme, Umweltdaten sowie das Verhältnis von Technologie und Natur. Aus wissenschaftlichen Daten entstehen immersive Installationen und XR-Umgebungen, die komplexe Zusammenhänge als räumliche audiovisuelle Erlebnisse erfahrbar machen. Wie zum Beispiel „Solarceptors“: Auf Grundlage von 3D-Scans realer Pflanzen und Umgebungsdaten eröffnet das virtuelle Erlebnis einen Perspektivwechsel, denn Besucherinnen und Besucher erleben im Studio der Kunsthalle die Welt aus der Sicht der Pflanzen. In dieser lichtzentrierten Wahrnehmung nehmen Blumen ihre Umgebung über das Licht wahr, betreiben Photosynthese und passen sich fortwährend an ihre Umwelt an. So entfaltet sich ihre Vielfalt, bis sie schließlich selbst zu Lichtkörpern werden. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg, das in diesem Jahr sein 75-jähriges Jubiläum feiert, und greift dessen Motto „Imagine Futures!“ auf. Sie lädt dazu ein, gewohnte Denkweisen hinter sich zu lassen und die Zukunft nicht als technologische Vision, sondern als neue Art des Sehens zu begreifen. Eröffnung: Mi, 02.09., 19 Uhr, bis 22.11., Studio, Kunsthalle Mannheim Hartmut Kiewert – „ZUsammenKUNFT DER SPEZIES“ Wie malt man eine Lebenshaltung? Wie findet man ästhetisch überzeugende Formulierungen, die sowohl künstlerisch als auch gesellschaftlich anschlussfähig sind, ohne dabei ständig mit dem moralinsauren Zeigefinger zu winken? Hartmut Kiewert schafft das. Er ist ein fulminanter Maler, einer, der das große Format mit Leichtigkeit souverän zelebriert und in seinen kleinen, oft plein air gemalten Formaten einen impressionistisch anmutenden Duktus an den Tag legt, der, wüsste man es nicht besser, auch aus einer anderen Epoche stammen könnte. Kiewert nutzt meisterhaft die Mittel einer souveränen gegenständlichen Malerei, um die ethische Utopie einer veganen Lebenshaltung – der gewaltfreien Koexistenz von Menschen und Tieren auf Augenhöhe – visuell erlebbar und denkbar zu machen. Die Bilder muten uns das Aushalten einer Paradoxie zu: Sie schenken uns die Schönheit einer friedlichen Zukunft, während sie uns gleichzeitig den Spiegel unserer Gegenwart vorhalten. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich dieser Reibung zu stellen – jenseits von fertigen Meinungen und moralischen Urteilen. (Foto © MKV) Vernissage: So, 06.09., 17 Uhr, Finissage: So, 08.11., Mannheimer Kunstverein 68
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