64 Der Mannheimer Sommer: „Lasst euch entgrenzen“ Der „Mannheimer Sommer“ als internationales Festival für Musik und Theater würdigt Grenzen als etwas, das notwendig ist, um das eine vom anderen zu trennen und in gewissem Sinne Ordnung zu schaffen. Es schadet nie, etwas zu haben, was sich zu überwinden, zu erweitern lohnt. Die Entgrenzung, wie sie im Festivalmotto benannt wird, hat auch ihre positiven Seiten: Sie befreit, sie berauscht, sie wächst über sich hinaus. Raum ist genug! Im und um den Mannheimer Luisenpark liegt der Schwerpunkt des Treibens, und hier vor allem im OPAL, der Interimsspielstätte, auf deren Vorplatz ein „Garten der Künste“ entstand. Ein Ort der Begegnung soll es sein, einladend mit Foodtrucks und Schattenplätzen. Auch nach den Vorstellungen: Im Anschluss an vier Produktionen – „Die Zauberflöte“, „10000 Gesten“, „Hunter“ und „Das Phantom der Operette“ – kann man sich hier dank foodsharing Mannheim an den gedeckten Tisch setzen und sich austauschen. Rosengarten und Technoseum, Friedenskirche und Stadion öffnen sich ebenfalls den Künsten, und bis nach Schwetzingen dehnt man die Entgrenzung aus: Hier werden die Operngala „Schloss in Flammen“ und Monteverdis „L’Orfeo“ aufgeführt. 18.-28.06., OPAL und weitere Spielstätten in Mannheim und Umgebung, alle Infos und Termine: www.nationaltheater-mannheim.de Love, Linda – The Life of Mrs. Cole Porter Cole Porter ist einer der großen Namen im Great American Songbook, ein Mann, der die amerikanische Musikgeschichte geprägt hat. Wunderkind, künstlerische Karriere, Luxusleben. Verheiratet, unzählige Affären mit Männern. What is this thing called love? Am besten befragt man hierzu seine Frau! Linda Thomas war 34 Jahre lang die Gattin des Stars. Sie führte ein mondänes Leben als Salonlöwin und Muse, sie organisierte den glamourösen gesellschaftlichen Alltag der beiden an ihren Wohnsitzen in New York, Paris, Hollywood und Venedig. Mit den Affären ihres Mannes musste sie sich arrangieren, ebenso mit Schicksalsschlägen – wo viel Licht, da auch viel Schatten. Genügend Material liefert ihre Biografie auf jeden Fall für ein One-Woman-Musical: Stevie Holland und Gary William Friedman erzählen die Geschichte dieser ungewöhnlichen Beziehung aus der Perspektive von Linda (verkörpert von Astrid Vosberg), eingewoben in den Monolog sind die immer genau passenden Porter-Songs. Fr, 19.06. und Sa, 20.06., 19.30 Uhr, Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen Cabaret im Capitol Ob die Menschen vor 100 Jahren wohl ahnten, in welche epochale Katastrophe sie sich gerade hineinbewegen? Im Berlin der 1920er wurde auf jeden Fall gefeiert, als gäb’s kein Morgen mehr. Doch wer gut hinsah, konnte die ersten Schatten schon bemerken, und in den Dreißigern wurde immer deutlicher, wohin der Weg führt: erst zur Ausgrenzung, dann zur Vernichtung von Menschen, die nicht erwünscht waren. Zu Beginn des Musicals wird noch getanzt und gesungen, geliebt und gehofft im Cabaret Club, wo der Amerikaner Cliff auf die Nachtclub-Sängerin Sally trifft und eine Beziehung ihren Anfang nimmt. Doch ein Happy End ist nicht zu erwarten, genauso wenig wie bei der Beziehung zwischen Fräulein Schneider und Herrn Schultz – er ist Jude, sie zieht nach dieser Offenbarung die Verlobung zurück. Wie die Weltgeschichte weitergeht, wissen wir alle. Wie die kleinen privaten Geschichten sich entwickeln, zeigt die Capitol-Eigenproduktion mit toller Besetzung, großer Live-Band und einer fein austarierten Mischung aus Unterhaltung und Tiefgang. Übrigens ist „Cabaret“ auch das ideale Alternativ-Programm für alle, die man mit dem Fußballspiel Deutschland gegen Elfenbeinküste nicht locken kann! Sa, 20.06., 20 Uhr, Capitol, Mannheim
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