48 ZELTIVAL – Musik erleben ohne Genregrenzen Wenn sich das Tollhaus im Sommer in eine musikalische Zeltstadt verwandelt, entsteht in Karlsruhe einer der spannendsten Kulturorte der Region. Im Gespräch mit „Delta im Quadrat“ verrät Sebastian Bau, der im Tollhaus unter anderem für die Programmgestaltung und das Booking des Zeltival mitverantwortlich ist, weshalb 2026 wieder einige Überraschungen auf das Publikum warten. Delta im Quadrat: Das Zeltival bringt jeden Sommer internationales Flair nach Karlsruhe – nach welchen Kriterien stellen Sie das Line-up zusammen, damit es gleichzeitig überraschend und doch typisch „Tollhaus“ bleibt? Sebastian Bau: Das ist immer ein bisschen wie Tetris. Zum einen braucht es natürlich große, zugkräftige Namen im Line-up, die Aufmerksamkeit für das Zeltival sichern und dann zum Stöbern im weiteren Programm einladen. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir eine große Vielfalt an Genres und Sounds dabeihaben und viele Gruppen auch erstmalig bei uns zu Gast sind. Aber das Preisgefüge spielt auch eine Rolle: Neben den hochpreisigen, bekannten Namen ist es uns wichtig, dass beim Zeltival für jeden Geldbeutel was dabei ist und man auch komplett neue Dinge bei uns finden kann. Aber auch das Thema ausgeglichenes Line-up mit Frauen, Männern, unterrepräsentierten Gruppen etc. schwingt im Hintergrund immer mit. Am Ende entsteht im Idealfall eine Mischung aus „Tollhaus-typischen“ Genres und Klängen, teilweise bekannten Gesichtern und Newcomerinnen und Newcomern, die den Geschmack unseres Publikums treffen. DiQ: Wie wichtig ist Ihnen beim Zeltival die Mischung aus globalen Sounds und lokalen Entdeckungen? SB: Lokale oder regionale Bands unterzubringen wird zunehmend schwieriger. Früher konnten wir das immer mal wieder über sogenannte Support-Slots ermöglichen. Wenn es aber besondere Anlässe gibt, wie zum Beispiel die Album-Veröffentlichung von Caramuro in diesem Jahr, findet sich für lokale Künstlerinnen und Künstler oft eine Möglichkeit, das einzubauen. Und auch unser Format „Musical Gardening“ oder das „Wohnzimmerkonzert“, das von unseren Auszubildenden in Eigenregie organisiert wird, sind explizit für lokale Bands gedacht. DiQ: Was macht für Sie persönlich die Atmosphäre dieses Festivals aus? SB: Die sehr familiäre und unaufgeregte Stimmung. Wir versuchen einen Ort zu schaffen, an dem sich alle Beteiligten wohlfühlen und gerne dort aufhalten. Das führt dazu, dass wir als Team mit Stammgästen ins Gespräch kommen und auch die Kunstschaffenden nach den Konzerten oft selbst noch in den ZeltivalGarten gehen, dort was trinken und mit dem Publikum interagieren – so, als wären sie auf einer Gartenparty bei guten Bekannten. DiQ: Einige Shows sind schon früh ausverkauft – spürt man bei der Programmplanung einen wachsenden Erwartungsdruck? SB: Natürlich freue ich mich, wenn Shows früh ausverkauft sind und ich beim Booking attraktive Bands gewinnen kann, und ich habe selbst eine Wunschliste mit Acts, die ich gerne mal zum Zeltival holen möchte. Von dem Erwartungsdruck, jedes Jahr noch mal etwas Besseres oder Größeres zu finden, muss man sich aber etwas frei machen. Zum einen sind wir mit unserer Besucherkapazität finanziell gar nicht in der Lage, manche Künstlerinnen und Künstler zu bekommen, und andererseits sind einige der besonderen Zeltival-Momente auch bei Konzerten mit nicht so bekannten Bands entstanden. Aber natürlich sollten schon einige große Namen dabei sein. DiQ: Wenn Sie das Zeltival 2026 in einem Satz kuratieren müssten: Warum sollte man unbedingt einen Abend dafür freihalten? SB: Alle, die besondere oder spannende neue Bands in einer unaufgeregten, familiären Atmosphäre erleben wollten und dabei die kulturelle Vielfalt mit anderen feiern möchten, sollten das Zeltival nicht verpassen! 26.06.-09.08., Kulturzentrum Tollhaus, Alter Schlachthof 35, Karlsruhe, www.zeltival.de CLUB- & POPKULTUR
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