Delta im Quadrat Nr. 93

68 Britten im Wald Benjamin Britten verlegt Shakespeares bekannte Sommernacht in einen Klangraum, in dem sich Realität und Traum überlagern. Im Wald geraten die Dinge aus dem Gleichgewicht. Liebende verlieren die Orientierung. Selbst magische Eingriffe führen nicht zur gewünschten Ordnung. Mit „A Midsummer Night’s Dream“ bringt das Badische Staatstheater Karlsruhe eine Oper auf die Bühne, in der die Vorlage zwar erkennbar bleibt, die jedoch auch die unverkennbare Handschrift von Benjamin Britten trägt, der das Werk musikalisch verdichtet und strukturiert. Zwischen Hof und Wald werden die unterschiedlichen Figurenwelten hörbar gemacht, wobei das Ensemble die Dynamik trägt, indem es die Wechsel zwischen Realität, Traum und Verwandlung präzise austariert. Neben der Premiere gibt es noch weitere Spieltermine, die sich der Website des Staatstheaters entnehmen lassen. Premiere: So, 17.05., 19 Uhr, Badisches Staatstheater, Karlsruhe, www.staatstheater-karlsruhe.de Nichts, was uns passiert Manches passiert immer nur den anderen. Bis… ja, bis es einem dann doch selbst passiert und sich das ganze Leben ändert. So wie bei Anna und Jonas. Es ist Sommer, Anna hat ihren Master in der Tasche, Jonas bastelt an seiner Doktorarbeit. In der Bibliothek kreuzen sich ihre Wege, und mehrere Biere später landen sie schließlich gemeinsam im Bett. So weit, so gut, so einvernehmlich. Auf einer Geburtstagsfeier treffen sie sich wieder, und beeinflusst von Alkohol wiederholt sich die Geschichte – doch diesmal sagt hinterher Anna, dass es sich um eine Vergewaltigung handelte. Jonas dagegen beharrt darauf, dass alles okay ablief. So steht Aussage gegen Aussage, Zeugen gibt es naturgemäß keine. Anna und Jonas stehen vor einem Labyrinth von Emotionen, Zweifeln, Ernüchterung und Vorwürfen – und nichts ist, wie es einmal war. „Ein Abend, der Gespräche nach sich zieht“, heißt es in der Kritik. Und genau das ist etwas, was uns allen ab und zu passieren sollte! So, 17.05., 19 Uhr, Theater im Puls, Schwetzingen Stolz und Vorurteil* (*oder so) Das „…oder so“ ist wichtig, damit niemand die Originalgeschichte von „Pride and Prejudice“ erwartet: Hier wird Jane Austens Romanklassiker von fünf Dienstmädchen erzählt, und wenn die mal nicht mehr weiterwissen, dann fangen sie einfach an zu singen! Ein guter Schwung Popkultur und Karaoke-Style ist also mit dabei in Isobel McArthurs komödiantischer Neufassung, wenngleich die Grunderzählung bestehen bleibt: Mrs. Bennet hat fünf Töchter, die sie dringend an den Mann bringen muss. Am besten an den vermögenden neuen Nachbarn Bingley! Doch beim Ball kreuzen sich sehr viele Linien und ganz so straight- forward läuft das mit der Liebe nicht. Das Beziehungsgeflecht ist so dicht gestrickt, dass sich so manche schon ein Diagramm gezeichnet haben, um nachzuvollziehen, wer zu wem wie steht – wenn alle Charaktere wie bei diesem Gastspiel des Volkstheaters Rostock von nur fünf Frauen gespielt werden, ist blitzschneller Rollentausch also Pflicht! Fr, 22.05., 19.30 Uhr, Sa, 23.05., 14.30 Uhr, Theater im Pfalzbau, Ludwigshafen

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