Delta im Quadrat Nr. 91

AUSTELLUNG/KUNST 70 Evolution des Menschen @ SMNK Es gibt Mineralien und Korallen, Präparate und lebende Tiere im Karlsruher Naturkundemuseum zu bestaunen – doch der Mensch spielte bisher nur eine Nebenrolle. Nun aber tritt auch er in Erscheinung: Eine neue Dauerausstellung widmet sich der „Evolution des Menschen“ und zeichnet die Geschichte von den ersten Primaten bis zum modernen Menschen nach. Hier zeigt sich die Entwicklung des aufrechten Gangs, die Ausbreitung von Afrika aus und überhaupt die „Menschwerdung“. Auch die Ernährung wird thematisiert – vermutlich aßen die Urmenschen lieber frische Früchte als Gräser und harte Nüsse –, und es wird deutlich, dass „wir“ bereits sehr früh Kunst und Kultur wichtig fanden. Lebensecht rekonstruierte Büsten von Urmenschen wie dem Homo neanderthalensis oder dem Homo heidelbergensis lassen unsere Vorläufer auf eindrucksvolle Weise Gestalt annehmen. Und es wird ein immer noch weit verbreiteter Irrtum ausgeräumt: Nein, der Mensch stammt nicht vom Schimpansen ab! seit Ende Februar, Staatliches Museum für Naturkunde, Karlsruhe, www.smnk.de Christian Brandl @ MKV Der Mannheimer Kunstverein präsentiert mit Christian Brandl (*1970) einen Maler der leisen Töne, der präzisen Komposition und der psychologischen Tiefe. Ausgebildet an der HGB Leipzig, der Hochschule für Grafik und Buchkunst, gehört Christian Brandl zur „Neuen Leipziger Schule“ und ist er ein Vertreter jener Tradition, die figurative Malerei als ernsthafte, vielschichtige Ausdrucksform versteht. Sein Werk steht im Spannungsfeld zwischen bühnenartigen Inszenierungen und Lebensbildern. Gerade durch diese Ambivalenz gelingt es Christian Brandl, in einer lauten Kunstwelt mit stiller Kraft zu bestehen und Bilder zu schaffen, denen ein hoher Erinnerungswert zu eigen ist. Delta im Quadrat: Warum zeigen der Mannheimer Kunstverein Bilder von Christian Brandl? Dr. Friedrich W. Kasten: Weil seine Bilder sich nicht sofort erklären lassen. Sie sind ruhig, aber nicht eindeutig. Man kann sie nicht schnell „verstehen“, sondern muss sich Zeit nehmen. Es sind Bilder die zum Sehen einladen. Genau das ist heute selten und wichtig. DiQ: Was ist besonders an seiner Malerei? FWK: Christian Brandl malt Figuren und Räume, die auf den ersten Blick vertraut wirken, sich aber dann wieder entziehen. Man erkennt etwas, kann es aber nicht festlegen. Seine Bilder erzählen keine klaren Geschichten. Sie entstehen aus Farbe, Form und Stimmung und aus gekonnter Malerei – nicht aus einer Botschaft. DiQ: Worin unterscheidet er sich vom üblichen Kulturbetrieb? FWK: Viele Ausstellungen wollen heute schnell erklärbar sein oder eine klare Haltung zeigen. Brandl macht das nicht. Seine Bilder sind offen und widersprechen einfachen Deutungen. Sie fordern Geduld und genaues Hinsehen. DiQ: Und warum sollte man diese Arbeiten gesehen haben? FWK: Weil sie uns zu einer anderen Art des Sehens einladen! Brandls Bildfindungen sind leise, dennoch von einem hohen Erinnerungswert. Wer sich darauf einlässt, merkt, dass Malerei mehr sein kann als Illustration oder Statement – nämlich ein Raum zum Denken und Wahrnehmen. (Foto © Christian Brandl) 15.03.-10.05., Mannheimer Kunstverein

RkJQdWJsaXNoZXIy OTA4MjA=