Delta im Quadrat Nr. 91

64 Wagner zu dritt mit Vogt und Schmidt Die Opern von Richard Wagner gelten nicht gerade als das, woran man bei lustiger Unterhaltung zuerst denkt. Aber es ist wie immer – alles eine Frage der Interpretation! Also tun sich ein Entertainer, ein hervorragender Pianist und ein Wagner-gestählter Tenor zusammen, um die Opern in ein neues Licht zu rücken. Dabei hilft, dass Harald Schmidt selbst auch Organist und Kirchenmusiker ist! Entertainer bleibt aber weiterhin seine Haupt-Identität, ihm ist kein Aspekt zu abwegig, keine Pointe zu albern. Und endlich einmal darf er die Fragen stellen, die ihn schon lange bewegen: Wie kann man sich überhaupt die endlosen und merkwürdigen Wagner-Texte merken? Was macht man als Sänger, wenn man mit der Regie fremdelt? Wie spontan sind Bühnenauftritte? Klaus Florian Vogt antwortet gerne, und Jobst Schneiderat als Pianist und Liedbegleiter ist stets bereit, die Theorie mit klanglicher Praxis zu hintermalen! Mo, 16.03., 19.30 Uhr, Großes Haus, Badisches Staatstheater, Karlsruhe „Annes Kampf – Anne Frank vs. Adolf Hitler“ Anne und Adolf führten beide einen Kampf. Der eine betitelte sein mittelschlechtes Buch danach, die andere kämpfte ums Überleben, weil der eine sie vernichten wollte – und sie schrieb Tagebuch. Adolf wusste nichts von Annes Existenz, Anne andersherum sehr wohl. 1945 starb sie im KZ Bergen-Belsen. Ein Abend unter diesem thematischen Schirm könnte sehr düster werden, doch bei aller Schwere schimmert immer wieder auch Leichtigkeit, Humor, Lebensfreude und auch Absurdität durch, wenn die Kabarettistin und Sängerin Marianne Blum und der Schauspieler Thomas Linke ein Tagebuch und eine Kampfschrift aufeinanderprallen lassen. Mit Respekt und Feingefühl nähern sich die beiden den Büchern, sie machen historische Realität lebendig und legen gleichzeitig den erschreckenden Bezug zur Gegenwart offen. Untermalt wird die Lesung durch jiddische Lieder und deutsche Gassenhauer aus jener Zeit. Fr, 20.03., 20 Uhr, Rudolf-Wild-Halle, Eppelheim Premiere: All My Life Watching America Die Welt schaut auf Amerika. Das gilt heute, das gilt seit vielen Jahren. Das, was man betrachtet, hat sich freilich gewandelt. Und auch wenn Amerika geografisch ziemlich weit entfernt ist, so zeigen sich seine Spuren doch vielerorts im Mannheimer Alltag. Ein Stadtteil namens Franklin, Quadrate wie in Manhattan, Elvis ist hier aufgetreten, John Deere prägt ganze Straßenzüge – und wenn man ins Persönliche blickt, findet man noch viel mehr Geschichten, die direkt mit den USA in Verbindung stehen. Das Mannheimer Stadtensemble hat hier geforscht: Nach „New World Franklin“, „Unauthorized und Unverschämt“ und „Vier Jahreszeiten“ beschäftigt es sich weiter mit den Verbindungen zwischen Mannheim und den USA. Für einige beginnt der Weg der Migration mit einem Krieg, in dem Weltmächte gegeneinander konkurrieren, für andere ist die Sehnsucht nach Freiheit damit verbunden, das Land der unendlichen Möglichkeiten zu erleben, für wieder andere geht es um Perspektiven außerhalb des Eurozentrismus… zusammenfließen wird alles in der Performance „All My Life Watching America“. Premiere: Fr, 20.03., 20 Uhr, Studio Werkhaus, Nationaltheater Mannheim

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