Delta im Quadrat Nr. 91

Sally Özcan: „Dranbleiben, auch wenn es unbequem wird …“ Sally gründete im Jahr 2012 während ihres Studiums zur Grundschullehrerin ihren eigenen YouTube Kanal „Sallys Welt“. Sie besitzt einen der größten Back und Kochkanäle Europas und ist inzwischen die größte Food-YouTuberin im deutschsprachigen Raum. 2020 eröffnete Sally in Mannheim ihren eigenen Flagship Store. Delta im Quadrat: Viele kennen Sie heute als erfolgreiche Unternehmerin mit „Sallys Welt“. Wann war damals der Moment, an dem Ihnen klar wurde, dass das mehr als ein Hobby ist und daraus ein Unternehmen wird? Sally Özcan: Ich war damals Lehrerin und habe meine ersten Videos für meine Schülerinnen und Schüler gedreht. Eigentlich war das als kleine Unterstützung gedacht, fast wie ein digitales Klassenzimmer. Aber plötzlich haben nicht nur meine Schulkinder und Freunde zugeschaut, sondern immer mehr Menschen. Die Aufrufe stiegen, die Kommentare und vor allem Nachfragen zu Produkten sowie Tipps und Tricks wurden mehr und es hat sich eine richtige Community gebildet. Da habe ich verstanden: Das ist mehr als nur ein Hobby. Hier entsteht etwas, das Menschen verbindet und größer werden kann. DiQ: Ihr Studio in Waghäusel ist mittlerweile ein fester Anlaufpunkt. Welche Rolle spielt die Rhein-Neckar-Region für Sie und Ihr Team, und warum war es Ihnen wichtig, hier zu bleiben und nicht in eine Großstadt zu ziehen? SÖ: Diese Region ist mein Zuhause. Hier bin ich aufgewachsen, hier sind meine Wurzeln. Ich wollte nie in eine große Stadt ziehen, nur weil es vermeintlich näher dran am Business wäre. Im Gegenteil. Ich glaube, meine Authentizität und mein Erfolg hängen eng damit zusammen, dass ich genau hierbleibe. Waghäusel und die Rhein-Neckar-Region geben mir Erdung. Und sie zeigen auch, dass man nicht in Berlin oder München sein muss, um Großes aufzubauen. Mein Team und ich schätzen genau diese Mischung aus Vertrautheit, Bodenständigkeit und einer starken, vielfältigen Region. DiQ: Ihre Community erlebt Sie oft zwischen Familienalltag und Business. Wie gelingt es Ihnen, beides zu verbinden? Und was hat Sie dabei am meisten überrascht oder geprägt? SÖ: Für mich war klar, dass ich keine Entscheidung treffen möchte zwischen Familie oder Karriere. Beides gehört zu mir. Natürlich bedeutet das Organisation, klare Prioritäten und manchmal auch Abstriche. Aber gleichzeitig bringt es eine enorme Stärke. Meine Familie hält mich auf dem Boden, das Unternehmen gibt mir kreative Freiheit. Am meisten überrascht hat mich, wie sehr beides ineinandergreift. Meine Kinder, meine Community, meine Arbeit. Am Ende ist es kein Balanceakt, sondern ein Lebensmodell, das wir gemeinsam tragen. DiQ: Als Gründerin und Unternehmerin sind Sie ein Vorbild für viele. Welche besonderen Chancen oder auch Hürden haben Sie auf Ihrem Weg als Frau erlebt und welche Haltung hat Ihnen geholfen, dranzubleiben? 29 SÖ: Es gibt Momente, in denen man als Frau unterschätzt wird. Das kenne ich gut. Aber genau das habe ich immer als Antrieb genommen. Ich habe gelernt, nicht zu sehr darauf zu hören, was man denkt, sondern meiner eigenen Stimme zu vertrauen. Chancen habe ich mir oft selbst geschaffen, indem ich mutig war, ausprobiert habe und auch mal hingefallen bin. Meine Haltung war immer: Ich mache es trotzdem. Dranzubleiben, auch wenn es unbequem wird, das ist für mich der Schlüssel. DiQ: Wer in unserer Region eine Idee hat und sie in ein erfolgreiches Projekt verwandeln möchte, kann sicher viel von Ihrer Erfahrung lernen. Welche drei Dinge würden Sie Menschen mitgeben, die gerade am Anfang stehen? SÖ: Erstens: Sei dir im Klaren, warum du etwas machst. Wenn die Leidenschaft fehlt, wird es schwer. Zweitens: Starte einfach. Perfekt wird es nie, aber wenn du nicht losgehst, kommst du auch nirgends an. Drittens: Such dir Menschen, die an dich glauben und dich unterstützen. Ein gutes Netzwerk und ein starkes Team sind Gold wert. DiQ: Welche Projekte oder Themen sind Ihnen für die Zukunft besonders wichtig? Sei es für „Sallys Welt“, für Sie persönlich oder für die Region? SÖ: Ein ganz besonderes Herzensprojekt ist für mich das erste Sally Café, das im März im Europa-Park eröffnet. Für mich ist das die perfekte Location für den Start. Ein Ort voller Begegnungen und Emotionen. Dort möchte ich meine Rezepte und Ideen erlebbar machen. Ein Treffpunkt für Familien, für die Community und für alle, die Lust auf guten Kuchen und eine gemütliche Auszeit haben. Mir ist wichtig, dass das Café authentisch bleibt und unsere Werte widerspiegelt. Gleichzeitig möchte ich weiterhin Formate entwickeln, die Menschen inspirieren, Neues auszuprobieren und mutig ihren eigenen Weg zu gehen. Und egal, wie groß die Projekte sind: Meine Familie und meine Community bleiben immer mein Fundament. www.sallys-shop.de

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