Yvonne Geiger: „Mut haben, Entscheidungen zu treffen“ Unseren Fragen zum Thema „Weltfrauentag und weibliche Vorbilder“ hat sich auch Yvonne Geiger gestellt. Sie ist seit über 25 Jahren dem Capitol verbunden und seit 2023 dort als Geschäftsführerin tätig. Außerdem ist sie Mutter von zwei erwachsenen Töchtern. Delta im Quadrat: Welche besonderen Chancen oder auch Hürden haben Sie auf Ihrem Weg als Frau erlebt und welche Haltung hat Ihnen geholfen, dranzubleiben? Yvonne Geiger: Die Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, vielleicht auch, weil ich immer das Glück hatte, mich nicht mehr erheben zu müssen als meine männlichen Kollegen. Ich habe in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn immer in einem gleichberechtigten, toleranten und vielfältigen Team gearbeitet, sodass ich Frausein nicht als Hürde empfunden habe. Viel mehr war das Muttersein und die damit einhergehende Balance zwischen Job und Familie öfter mal eine Hürde. Vielleicht waren mein Mann und ich unserer Zeit voraus, wir haben nie in Rollenbildern gedacht oder gelebt. Das konnten wir über unser weitläufiges Umfeld nicht immer sagen. So musste ich mir oft die Frage stellen lassen, warum ich zwei Kinder zur Welt gebracht habe, wenn ich doch so viel arbeite. All das liegt schon sehr viele Jahre zurück, ich wünsche mir, dass wir heute eine andere Selbstverständlichkeit leben und Unternehmen hier die große Chance sehen, gut ausgebildete Frauen bei sich zu beschäftigen, ohne ihnen abzusprechen, beide Lebensbereiche zu vereinen. DiQ: Welche Entscheidung oder welches Lernmoment war für Ihre persönliche oder unternehmerische Entwicklung besonders prägend? YG: Sicherlich die, die Geschäftsführung im Capitol zu übernehmen. Für unseren ausgeschiedenen Geschäftsführer Thorsten Riehle eine logische Konsequenz, bin ich mit mir doch sehr hart in den Ring gegangen. Eine Entscheidung, die ich fast drei Jahre später noch immer nicht bereue. DiQ: Wer in unserer Region eine Idee hat und sie in ein erfolgreiches Projekt verwandeln möchte, kann viel von Ihrer Erfahrung lernen: Welche drei Dinge würden Sie Menschen mitgeben, die gerade am Anfang stehen? YG: Zunächst sollte man den Mut haben, Entscheidungen zu treffen. Es sind gerade am Anfang nicht immer die besten oder die richtigen Entscheidungen, aber auch die braucht es, um zu wachsen. Zum zweiten kann ich nur empfehlen ganz bei sich zu bleiben, sich zu vertrauen und sich auch nicht immer anzupassen. Und zuletzt, auch nicht unwichtig, sollte man Menschen in seinem Umfeld haben, die es ernst mit einem meinen und auf deren Meinung und Einschätzung man Wert legt. Diese Ratschläge basieren natürlich auf Erfahrungen aus meinem Werdegang und mein Rezept muss für andere nicht zwingend passen. DiQ: Was treibt Sie heute an – und was gibt Ihnen die Energie, sich weiterhin mit voller Überzeugung für Ihr Projekt einzusetzen? YG: Was wir als Team hier jeden Tag leisten, begeistert mich immer wieder aufs Neue und treibt mich an. Außerdem die vielen Gespräche, die außerhalb stattfinden, wo Menschen oft auf mich zukommen und mir rückmelden, wie großartig unser Haus ist, wie toll die eine oder andere Veranstaltung war, die sie besucht haben. Das ist der Antrieb, etwas Schönes zu hinterlassen. Und ja, es gibt auch mal weniger erfolgreiche Tage, und wenn genau an diesen Tagen im Saal Soundcheck ist, die Hütte bebt und die Ordner im Regal zu schwingen beginnen … dann, spätestens dann, erinnere ich mich, warum ich das mache. Und es ist großartig! www.capitol-mannheim.de 27
RkJQdWJsaXNoZXIy OTA4MjA=