Delta im Quadrat Nr. 90

66 DINGE | ÜBER | LEBEN Nicht alle überleben. Mevlüde Genç weiß das genau: Bei dem rechtsextremistisch und rassistisch motivierten Brandanschlag in Solingen 1993 starben zwei ihrer Töchter, zwei Enkelinnen und ihre Nichte. 17 weitere Personen erlitten zum Teil schwerste Verletzungen, darunter auch ihr Sohn. Mevlüde Genç lebte weiter – irgendwie. Mit Trauer, mit Fragen, bestimmt auch mit Verzweiflung, aber ohne in Hass und Vergeltung zu verfallen. Sie stand ein für Menschlichkeit und Frieden. 2022 starb sie im Alter von knapp 80 Jahren, doch sie hat Spuren hinterlassen. Andere, weichere Spuren als der Anschlag hinterließ! Die Regisseurin Ayşe Güvendiren errichtet nun ein theatrales Museum, eine Hommage an Mevlüde Genç: Mit Geschichten, Liedern, materiellen Zeugnissen und in engem Austausch mit Hinterbliebenen zeichnet sie das Leben einer Frau nach, die vielen nur als Trauernde in Erinnerung ist und die doch für so viel mehr steht – nicht zuletzt für konkret gelebte Zeitgeschichte im Kontext bundesdeutscher Migrationsgeschichte und rechten Terrors. Premiere: Fr, 27.02., 20 Uhr, Studio Werkhaus, Nationaltheater Mannheim „We Are Family“ Hier präsentiert sich antiker Stoff in neuem Gewand: „We Are Family“ trägt den Untertitel „Eine Antikenüberschreibung nach Euripides, Aischylos und Sophokles“; Tine Rahel Völcker schrieb dem Stück, das 2024 als Auftragswerk für das Schauspiel Köln entstand, einen neuen Schluss, und Regisseurin Jana Vetten kehrt dafür an den Neckar zurück. Blutrünstig ist die Saga der Tantaliden, jener mythischen Familie um Agamemnon, Klytaimnestra und ihre Kinder. Iphigenie wurde vom Vater geopfert, Elektra verwehrt sich dem mütterlichen Lebensentwurf, und mit Phryne, einer ehemaligen Escort-Sklavin kommt noch eine weitere Rolle hinzu, die unbequeme Fragen zu Gleichberechtigung und gesellschaftlicher Spaltung stellt... Premiere: Sa, 28.02., 19.30 Uhr, Marguerre-Saal, Theater Heidelberg Cosy Concert: „Amerikanische Begegnungen“ Diese Konzerte entfalten ihren besonderen Charme nicht nur, weil sie an einem besonderen Ort gespielt werden – nämlich im Heidelberger Betriebswerk, einem ehemaligen Bahngebäude, das heute der Kultur Raum bietet –, sondern auch, weil sie stets mit Überraschungen aufwarten: Weder das genaue Programm noch die Besetzung wird vorab verraten. Einzig das Motto des Abends verrät in groben Zügen, wo es musikalisch hingehen mag: „Amerikanische Begegnungen“ stehen im März an, und das kann so allerlei sein! Wer spielt? Auf jeden Fall Solisten der Heidelberger Sinfoniker, vielleicht auch weitere Gäste sowie der künstlerische Leiter der Heidelberger Sinfoniker, Johannes Klumpp. Fest steht aber, dass diese Form der moderierten Konzerte zum Publikumsmagneten geworden ist: Die offene, barrierefreie Ausstrahlung der Cosy Concerts kommt gut an! (Bild © KontextKommunikation Heidelberg) Sa, 07.03., 19 Uhr, Betriebswerk, Heidelberg

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