Delta im Quadrat Nr. 38

65 sich Elija mit Hilfe seiner Life-Manager und Freunde – Mela, Fanis und Professorin Eva Reisser – für einen neuen Körper, einen grenzenlosen Körper, einen reinen Köper, der die Grenzen der Geschlechter verwischt. DiQ: An wen richtet sich denn dann das Stück? Alles rund um die eigene Geschlechtsidentität, ums Frausein oder Mannsein und um die Frage, wen ich liebe, ist ja für Heranwachsende ganz besonders zentral… JW: Hierzu ein kleines Bild: Dieses Stück richtet sich an alle Körper, die sich jemals an einem sonnigen Tag am Pool aufgrund ihres Aussehens unwohl in ihrer Haut gefühlt haben. Was bedeutet dieses „Frau- oder Mannsein“? Oder noch besser, was bedeutet „sein“? Es richtet sich an alle, die ihren eigenen Körper in einer Welt behaupten müssen, von der sie sich in ihrer Körperlichkeit limitiert fühlen. Unsere Kultur ist es, die uns zu eindeutig weiblichen oder männlichen Wesen machen will und uns vorschreibt, wen wir lieben dürfen und wen nicht. Unsere Gesellschaft entscheidet, ob unsere Körper hässlich, schön, anders oder passend sind. Und es richtet sich an alle, die den gemeinsamen Traum hegen, in ihrem Körper frei zu sein. DiQ: Diese Premiere ist Ihre zweite Inszenierung in Mannheim – gestaltet sich die Arbeit da schon anders als beim „Erstling“? JW: Für mich ist Theater Teamarbeit. Auch innerhalb meiner Produktionen lege ich sehr viel Wert auf ein gemeinschaftliches Arbeiten, ich sehe meine Aufgabe im Channeln und Koordinieren der Ideen aller Mitwirkenden. Das hier wird meine bisher umfangreichste Arbeit und ich habe ein tolles Team bestehend aus Günter Lemke (Ausstattung), Michael Bronczkowski (Choreographie) und Lena Wontorra (Dramaturgie). Wir haben in den letzten Monaten ein facettenreiches Konzept ausgeklügelt und sind gespannt und voller Vorfreude darauf, unsere Idee gemeinsam mit dem Schauspiel-Ensemble zur Wirklichkeit zu machen. DiQ: Wie eng haben Sie bei der Inszenierung mit dem Autor Mehdi Moradpour zusammengearbeitet? JW: Schon nach dem ersten Lesen war für mich klar, dass ich diesen Text auf die Bühne bringen will. Nachdem das NTM grünes Licht gegeben hatte, habe ich Mehdi direkt angerufen. Wir kannten uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht und haben trotzdem knapp zwei Stunden telefoniert und über seinen Text gefachsimpelt. Es ist ein Privileg, eng mit dem Autor zusammenarbeiten zu können. „Körper“ ist ein stark assoziativer Text und es tut gut, sich bei der Interpretation auszutauschen. DiQ: Und was steht als Nächstes auf der Agenda? JW: „ein körper für jetzt und heute“ wird meine dritte Premiere 2020 sein. Für Januar 2021 ist die Premiere von „Out Cry“ (Tennessee Williams) im Theater Felina-Areal Mannheim geplant, die Corona-bedingt leider verschoben werden musste. Danach werde ich mich meinem neu begonnenen Masterstudium Theater und Orchestermanagement an der HfMDK in Frankfurt am Main widmen und mit den Kolleginnen und Kollegen des Assistierenden-Netzwerks weiter an einer strukturellen Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Assistierende an deutschen Theatern arbeiten. Außerdem freue ich mich sehr auf die Umsetzung des von mir ins Leben gerufenen Theaterassistieren- den-Festivals SUMMER UP, das im Frühjahr 2021 zum siebten Mal stattfinden wird.

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