Delta im Quadrat Nr. 38

Atem… Schließlich traf ich auf Wissenschaftler am EMBL, dem European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg, die sich auf intrazelluläre Schwingungen spezialisiert haben. Das war der Ausgangspunkt für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Tanz und Forschung, aus der das Stück hervorgehen sollte. Jeder von uns hat seine eigenen oszillierenden Prozesse, seinen eigenen Puls, und dadurch koordinieren wir uns mit anderen – wie in einem rhythmischen Tanz. Man geht zum Beispiel mit einem Freund spazieren und ganz unbewusst synchronisieren sich die Schritte zweier Menschen, einfach so, wie durch Magie. In „Oscillation“ wollte ich erreichen, dass sich die Tänzerinnen und Tänzer des Dance Theatre Heidelberg damit beschäftigen, wie Menschen zusammenarbeiten und gemeinsam funktionieren können. DiQ: Inwiefern beeinflusste Corona dabei Ihre Arbeit? Wie wirken sich die immer neuen Bestimmungen aus? Social Distancing verträgt sich in meiner Vorstellung ja nicht besonders gut mit dem zeitgenössischen Tanz… IP: Ja, die Corona-Pandemie hat unseren tänzerischen Alltag schon verändert. Aber wir suchen weiterhin nach Wegen, um damit umzugehen. Die Company trainiert in kleineren Gruppen und hat das Hygienekonzept im Studio angepasst – im Moment fühlen wir uns damit sicher. Bei der Arbeit entscheidet Corona darüber, wer wen berühren darf und wer wen nicht. Wer im gleichen Haushalt lebt, hat Glück gehabt! Das habe ich natürlich dann auch gezielt genutzt. Alle anderen können nur durch Bewusstwerden des Abstandes miteinander in Beziehung treten. Für die Tänzerinnen und Tänzer, aber auch für mich selbst ist das ein immens wertvolles Forschungsfeld geworden: Wir suchen nach neuen Formen der Verbindung innerhalb der Beschränkungen. Auch dies ist wieder eine kreative Herausforderung, wie Millennials sie lieben! DiQ: Inwieweit wirkt sich das auch auf das Publikum aus? IP: Ich finde es sehr interessant, dass sich nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer, sondern genauso auch das Publikum mit dem räumlichen Konzept identifizieren können. Wir alle beachten ja die neue Choreografie des Social Distancing in Straßen und beim Einkaufen. Der Raum, die Körper und die nonverbale Kommunikation sind unsere tägliche Übung. Wir Menschen bewegen uns Tag für Tag ganz gezielt, um möglichst kontaktlos von A nach B zu kommen. Seit Corona ist der Raum, der uns umgibt, für uns viel konkreter geworden – genau wie im Tanz! DiQ: Danke für das Gespräch und eine erfolgreiche Premiere! WEIHNACHTEN OHNE LAMETTA ABO IST MÖGLICH, ABER SINNLOS! UNSER LAMETTA ABO DAS PERFEKTE WEIHNACHTSGESCHENK! SCHAUSPIEL, TANZ UND MUSIKTHEATER AB EURO. ERHÄLTLICH VOM . OKTOBER BIS . DEZEMBER  www.theaterheidelberg.de

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