Delta im Quadrat Nr. 38

Iván Pérez: Oscillation DerKreis schließt sich: „Oscillation“ (Urau ührung: 07.11., 15und19Uhr,Marguerre-Saal, eater Heidelberg) ist der letzte Teil der Trilogie von Iván Pérez zur „Millennials“. Mit den Mitteln des Tanzes, der Musik und visueller Künste wird hier das Leben und Erleben einer ganzen Generation erforscht. Dabei ist das Stück mit neuer Orchestermusik von Ferran Cruixent in vielerlei Hinsicht eine Re exion der aktuellen veränderten Lebensbedingungen: Eine Spannung zwischen Nähe und Distanz lässt neue Formen der Gemeinsamkeit entstehen und erkundet, wie Beziehung trotz Abstand gelingt; die notwendig gewordene zwischenmenschliche Distanz wird choreogra sch befragt. Welche Herausforderungen und Möglichkeiten sich daraus ergaben, berichtet Iván Pérez im Interview. Delta im Quadrat, Beate Schittenhelm: „Oscillation“ ist nach „Impression“ und „Dimension“ ja der letzte Teil einer Trilogie. Können Sie uns mehr über das Projekt als Ganzes erzählen? Iván Pérez: 2017 traf ich den Entschluss, der Generation der „Millennials“ drei meiner Arbeiten zu widmen – ich suchte darin einen Weg, um die Zeit zu verstehen, in der ich lebe. Ich habe hochinteressante Gespräche mit Wissenschaftlern und Laien geführt, in denen sich zeigte, wie diese Generation ist und wie sie wahrgenommen wird. Von anderen Generationen werden die Millennials oft als selbstzentriert, ansprüchlich und wenig fokussiert angesehen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man aber auch, dass sie intensiv lernen können und eine große kreative Flexibilität mitbringen. Meine Trilogie begann mit dem Stück „Impression“, einer Vision der 2000er aus der Perspektive der Achtziger, die Sci-Fi-Anklänge hat, aber auch Themen wie Isolation und Zugehörigkeit aufgreift. „Dimension“ feierte im Januar 2020 Premiere, kurz vor dem Beginn der Pandemie, und war ein imaginärer Spielplatz, auf dem die erwähnte individuelle Kreativität auf die Probe gestellt wurde – wir haben zum Beispiel farbige Plexiglas-Scheiben verwendet, um Neues entstehen zu lassen, aber auch, um Menschen voneinander abzugrenzen. Heute fühlt sich das an wie eine wahrgewordene Prophezeiung. „Oscillation“ ist dann während der Corona-Zeit entstanden. Das Stück reflektiert die gegenwärtige Lage und die Herausforderungen, die alle Generationen bewältigen müssen. DiQ: Stichwort „Generation Y“ oder Millennials, also alle, die grob im Zeitraum zwischen den frühen Achtzigern und der Jahrtausendwende geboren sind. Was ist Ihr Geburtsjahr? Fühlen Sie sich den auch selbst als Millennial und können Sie sich mit dieser Kategorisierung identifizieren? IP: Ja, ganz eindeutig! Geboren bin ich am 28. Mai 1983, und damit fühle ich mich als ein früher Vertreter dieser Generation. Aufgewachsen bin ich noch mit Kassetten und VHS. Ich habe diese Techniken untergehen sehen, habe den Aufstieg der CD miterlebt und mit 20 meinen ersten Computer gekauft. Ich habe viele Fähigkeiten entwickelt, mit denen ich mich an diese rasanten Veränderungen anpassen konnte, und das hat mein Gehirn auf viele verschiedene Arten geprägt. Ich denke immer: Wo es ein Problem gibt, da muss es auch eine Lösung geben – ich bin ein Millennial! DiQ: Woher kommt der Titel „Oscillation“? Was oszilliert hier, was gerät in Schwingung? Die Körper der Tänzerinnen und Tänzer? Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen? Oder noch etwas ganz anderes? IP: Dem Begriff bin ich zuerst im Kontext von Ideologie und Politik begegnet. Dann habe ich Schwingungen in Objekten visualisiert – ein Pendel beispielsweise oder eine Uhr. Daraufhin wurde ich neugierig und wollte mehr über periodische Schwingungen im menschlichen Körper erfahren – den Herzschlag, unseren 60

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