Delta im Quadrat Nr. 38

Bühne/Theater/Klassik/Comedy Festspiele Ludwigshafen: Schauspiel, Tanz und sechs Klaviere 58 Umfangreich ist das Tanzprogramm der Festspiele in diesem Monat: Kuratiert von Marco Goecke tanzen deutsche und internationale Compagnien in Ludwigshafen in rascher Folge über die Bühne im Pfalzbau. Los geht das November-Programm mit „25 Years Spellbound“, der Jubiläumsproduktion des Spellbound Contemporary Ballet aus Rom, die auch ein Solowerk von Goecke umfasst (Fr, 06.11. und Sa, 07.11., 19.30 Uhr). Dass Pianisten keine Ensemblespieler seien, ist ein Vorurteil, das sich zwar hartnäckig hält, aber von der Realität längst überholt wurde: Steve Reich beispielsweise komponierte mit „Six Pianos“ ein Stück für sechs Konzert ügel. In anderen Maßeinheiten sind das zwölf Hände, 120 Finger oder etwas mehr als fün undert Tasten… Das Werk folgt mit einer kurzen, rhythmisch-melodischen Figur den typischen Strukturen der Minimal Music und durchläu dabei eine Reihe von Wiederholungen und Variationen; die Musiker spielen teils synchron, teils um einige Takte versetzt und ihr Spiel entfaltet sich als eine Art musikalisches Mandala (So, 08.11., 20 Uhr). Die Festspiele wären allerdings keine Festspiele ohne ihre Schauspiele, insbesondere die Au ritte auswärtiger Bühnen! Aus Berlin kommt zum einen die Schaubühne mit einer Werkschau, zum anderen das Deutsche eater. „Fräulein Julie“ steht im November auf dem Programm – in einer Inszenierung der britischen Regisseurin Katie Mitchell, die in Strindbergs psychologischem Drama den Kamerafokus auf die junge Köchin Kristin lenkt und sie damit zur eigentlichen Haupt gur werden lässt. Aus der Küche beobachtet sie in schmerzha emVoyeurismus das Liebesdrama zwischen ihrem Verlobten Jean und der Adligen Julie, das in schmerzlich vertauschten Rollen endet (Fr, 13.11., 20 Uhr, Sa, 14.11., 19.30 Uhr). Neu auf dem Spielplan in Zeiten, die rundherum ein immenses Maß an Improvisation und immer wieder neuemAnpassen fordern, ist „Maria Stuart“ als Alternative zum eigentlich geplanten Stück „Outside“ (auch im Dezember ergaben sich übrigens Anpassungen: Am 04./15.12. gastiert erneut die Schaubühne Berlin mit den Stück „Everywoman“ anstelle von „Die Ehe der Maria Braun“). Friedrich Schiller zeichnet in seinem Königinnendrama ein Tableau von Mächtigen, die Verantwortung scheuen und an ihren Positionen ersticken. Dabei zeigt er die beiden Kontrahentinnen als zutiefst menschliche Charaktere, einsam in ihremTun oder Nicht-Tun, isoliert und unfrei, gefangen in einem Ränkespiel um Politik, Religion, Liebe und Macht (Fr, 27.11. und Sa, 28.11., 19.30 Uhr). eater imPfalzbau, Ludwigshafen, www.theater-im-pfalzbau.de

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