Delta im Quadrat Nr. 38
20 Theater Heidelberg goes online Natürlich spielen digitale Medien nicht erst seit Corona, sondern seit geraumer Zeit eine nicht unwesentliche Rolle auf und hinter der Bühne. Videokünstlerinnen und -künstler sind immer häu ger Teil des Regieteams und prägen eine neue eaterästhetik; soziale Medien sind aus der eaterarbeit nicht mehr wegzudenken. Während des Lockdown und der notwendigen Schließung des Vorstellungsbetriebs haben sich im eater darüber hinaus aber natürlich viele digitale Koordinaten neu justiert – sowohl künstlerisch als auch betriebsstrukturell. Von über 350 MitarbeiterInnen am eater und Orchester Heidelberg waren die allermeisten im Homeo ce – weit über die bis dahin gelebte Arbeitspraxis hinaus. Videokonferenzen wurden wie in vielen anderen Betrieben schnell zur Normalität, sowohl zwischen Heidelberger MitarbeiterInnen untereinander als auch in der Kommunikation mit externen Regieteams. Diese neue Praxis hat sich vor allem in der Kommunikation nach außen soweit bewährt, dass sie auch nach dem Lockdown bis heute Bestand hat. Noch augenscheinlicher war im eater allerdings die Digitalisierung der kulturellen Möglichkeiten. Ob Streams von bestehenden Inszenierungen, der Live-Stream eines Schlosskonzerts,partizipativeDigitalangebotedesJungen eaters oder kreative Homeo ce-Botscha en der KünstlerInnen, die sozialen Medien wurden nicht nur viel mehr, sondern vor allem auch anders – und in großer kreativer Bandbreite – bespielt. Digitale Teilhabe und digitaler Zusammenhalt in Pandemiezeiten haben das eater gelehrt, kulturelle Praktiken zu diversi zieren und o ensiv mit Schnittstellen zwischen Analogem und Digitalem umzugehen: QR-Codes haben nicht nur einen analogen Schaufensterspaziergang durch die Stadt bereichert, sondern bieten im eingeschränkten Corona-Spielbetrieb auch die Möglichkeit, sich Stückeinführungen wahlweise zuhause oder im Foyer anzuhören. Das gesamte Rahmenprogramm des Tanztheaters inklusive Workshops ndet nach wie vor im Digitalen statt. Das eater Heidelberg setzt sich zum Ziel, neue Zielgruppen zu erreichen und Menschen kreativ auf dem Weg in die digitale Welt mitzunehmen – ohne zu vergessen, dass eater natürlich zutiefst vom analogen Miteinander und der gemeinsamen körperlichen Anwesenheit lebt. Die pandemische Krise als Chance zur Vervielfältigung der kulturellen Möglichkeiten: Mit diesem Gedanken wird sich das eater und Orchester Heidelberg auch in Zukun auseinandersetzen. (Lene Grösch) DIGITALISIERUNG SPEZIAL
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